Die nicht unwesentliche finanzielle Unterstützung des Schaumburg-Lippischen Fürstenhauses ermöglichte es, den hannoverschen Kirchenbaumeister Conrad Wilhelm Hase („Backstein-Hase“) für den Bau zu engagieren.

Hase erfüllte den Auftrag, eine „weithin sichtbare“ mächtige Kirche im Stil der Backsteingotik „in bislang vollständig freiem Felde“ zu bauen. Bei einer Grundsanierung zu Beginn der 1960er Jahre wurden die Seitengauben auf dem Dach entfernt. Der freitragende Turm und das Kirchenschiff sind in den 1990er Jahren saniert worden. Zum 125-jährigen Bestehen im Jahr 1996 hat das Gotteshaus den Namen der Vorgängerin, „St.-Nicolai-Kirche“, bekommen. Weitere Informationen sind zu den Öffnungszeiten im Gemeindebüro (gegenüber) oder auch im Internet unter www.kirche-hagenburg.de zu erhalten.
Immer von Mai bis September wird die Kirche von den „Schlüsselfiguren“, einer Gruppe ehrenamtlich tätiger Frauen und Männer, für Besichtigungen über Tag offen gehalten. Genauere Angaben finden Sie hier.
Prof. Conrad Wilhelm Hase hat zusammen mit seinen Mitarbeitern einige hundert Kirchen, Wohngebäude, Schulen, Krankenhäuser, Bahnhöfe überwiegend in Norddeutschland in der „Architektur der hannoverschen Schule“ errichtet, oder renoviert. Zu einer Ausstellung zum 100. Todestag im Jahr 2002 waren 312 Bauten bekannt, immer noch werden weitere Bauwerke mit Hase-Beteiligung entdeckt. Die St.-Nicolai-Kirche in Hagenburg ist ein Beispiel dafür, dass seine Mitarbeiter als Bauleiter nicht nur die Hase’schen Entwürfe maßstabsgetreu umsetzen mussten, sondern auch einen gestalterisch eigenen Anteil am Bau haben konnten.
Für den Kunsthistoriker Thorsten Albrecht passt die Kirche in Hagenburg nicht in die Reihe der Dorfkirchen. „Die Kirche könnte auch in einer Stadt stehen“, schreibt Albrecht in seinem Aufsatz „Zwischen Eisenacher Regulativ und Hase-Altar. Der Konsistorialbaumeister Hase.“, im Dokumentationsband zur Tagung zum 200. Geburtstag von Conrad Wilhelm Hase im Jahr 2018.
Hase setzte seine Mitarbeiter als Bauführer oder Bauleiter für seine Projekte ein, um seine Entwürfe und Planungen umzusetzen. Die ambitionierten Jung-Architekten hatten die „Hasik“ stilsicher gelernt und passten sie an die Verhältnisse an, die sie vor Ort vorfanden. Wie auch in Hagenburg fiel ihnen meist die Aufgabe zu, Kosten einzusparen und dafür auch Veränderungen an den ursprünglichen Planungen vorzunehmen.
Den Kirchbau in Hagenburg betreute der 25-jährige Ludwig Leopold Schöne. Ein junger Architekt, der schon in seiner Geburtsstadt Leipzig einen Teil seiner Ausbildung erhalten hatte, bevor er nach Hannover ins Büro von Conrad Wilhelm Hase wechselte. Gemeinsam mit Wilhelm Schultz ist er erstmals 1865 in Hudemühlen beim Bau der Villa für den Freiherrn von Hodenberg als Bauleiter im Büro Hase nachweisbar. Anschließend (1866) setzten Schöne in Eickeloh und Schultz in Eitzendorf parallel Pläne Hases aus dem Jahr 1862 um und bauten dort identische Kirchen.
Die Werkzeichnung des jungen Architekten mit Ziegeldetails für die „Rose im Turm“ für den Kirchenbau in Hagenburg ist im Nachlass Hases im Stadtarchiv Hannover erhalten. Sie trägt die Widmung „Für Baurath Hase. L Schöne. 15/10 1870.“ Die Urheberschaft für die Rose ist somit offen und wird gegenwärtig weiter erforscht. Klar ist aber nach dem Studium der Pläne, dass Ludwig Schöne andere Teile des Gebäudes entworfen hat, zum Beispiel die Empore und mindestens einige Formsteine.
Es war bestimmt kein Zufall, dass Conrad Wilhelm Hase 1868 Mitglied der k.u.k. Akademie der Bildenden Künste in Wien wurde und Schöne unmittelbar nach der Fertigstellung der Kirche als freiberuflicher Architekt in Wien nachweisbar wird. Ein „Mann Hases“ stieg während der sogenannten Ringstraßenära (dem planmäßigen Ausbau der Wiener Ringstraßenzone etwa ab 1858) zum produktivsten und berühmtesten Architekten Wiens auf.

Der Vertreter des Historismus, der sich später auch der Moderne zuwendete, errichtete – ganz nach dem Vorbild Hases – in einer ungeheuren Bandbreite des Schaffens Wohnbauten, Hotels, Amtshäuser und Fabrikanlagen in ganz Österreich-Ungarn. Sein Schwerpunkt lag auf dem Gebiet des Sakralbaues. Als „bemerkenswert“ wird hervorgehoben, dass Schöne für alle Konfessionen plante und arbeitete.
Schöne hatte auch kein Problem damit, eigene Entwürfe mehrfach zu verwenden, oder zumindest, wie Hase, wesentliche gestalterische Elemente wieder zu verwenden und neu zu kombinieren.
Die Kirche in Körnend (heute Ungarn), die Schöne 1886 baute, weist in ihrer äußeren Gestaltung große Ähnlichkeiten zur St.-Nicolai-Kirche in Hagenburg auf.
Um nocheinmal auf das Schaffen des Neugotikers Conrad Wilhelm Hase zurückzukommen: Wer sich zum Beispiel die St.-Johannes-Baptist-Kirche (1880) in Tostedt im niedersächsischen Landkreis Harburg anschaut, wird nicht nur äußerlich, sondern auch im Inneren große Ähnlichkeiten im Vergleich zur St.-Nicolai-Kirche entdecken – auch in der Größe passt die Tostedter Kirche, genau wie die Kirche in Hagenburg, nicht in die Reihe der Dorfkirchen.
Generationen haben ihn in der Nicolai-Kirche vergeblich gesucht: Den symbolischen „Hasen“, den der Baumeister Conrad Wilhelm Hase in jedem seiner Bauten als Signatur hinterlassen haben soll. Jetzt ist das Rätsel gelöst.
Als junger Architekt vollendete Hase als Maurer und Bauführer das von Georg Ludwig Friedrich Laves entworfene Mausoleum für Carl Wilhelm von Alten in Hemmingen-Wilkenburg (heute Ruine). Hase signierte die von ihm modellierten Formsteine selbstbewusst mit “C.W. Hase 1840”. Bruchstücke von Hases Formsteinen – allerdings ohne Signatur – befinden sich im Historischen Museum in Hannover.
Conrad Wilhelm Hases Geschichte hinterließ offenbar Eindruck. Sie verselbständigte sich und wurde auch rund um die Kirche in Altenhagen von Generation zu Generation weitergeben: Hase hinterließ keinen Hasen, sondern signierte einmalig seine Steine, sein Erstlingswerk.
Die Hase-Legende ist in der Kirchengemeinde im Jahr 2003 Gegenstand eines Spiels gewesen: Hagenburger Bäcker buken anlässlich der „Nacht des Offenen Denkmals“ viele wunderschöne, kleine Teighasen.
Engagierte Eltern versteckten sie im Kircheninnenraum, sodass Kinder sich nicht nur auf die Suche machen, sondern so ganz nebenbei auch ihre Kirche entdecken konnten.

Und für Fritz Franke aus Altenhagen boten zwei, von der Turmrenovierung übriggebliebene Formsteine eine Inspiration: Er schuf mit Bezug auf die Hase-Legende zwei kleine, rote Steinhasen.

Den russischen Zar Peter den Großen im Jahr 1717 oder auch den englischen König Georg I. 1719 … lebendig, und 1727 tot … hat sie verpasst. Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe vielleicht sogar den Preußenkönig Friedrich II. könnte die große Blutbuche im Eingang vor dem Pfarrhaus noch gesehen haben.
In der Gegenwart, im Jahr 2021, weist der mächtige Baum in rund einem Meter Höhe einen Stammumfang von 3,20 m auf. Nach Schätzungen von Experten ist die Blutbuche somit rund 230 Jahre alt +- 20 Jahre, also wohl frühestens um 1770 gepflanzt. Möglicherweise ist mit diesem und einigen anderen kleinen Zierbäumchen das Gut und Poststation für den Besuch des Preußenkönigs Friedrich II. 1768 sogar herausgeputzt worden. Einen Zusammenhang könnte es auch mit einer großen Pflanzaktion im Jahr 1767 geben, die die Mutter des Chronisten Engelke veranlasste und von der er berichtete.
Um 1690 war die Ursprungsmutation, aus der weltweit fast alle Blutbuchen gezüchtet worden sind, im Possenwald bei Sondershausen entdeckt worden. Unter dem Namen „Elf Schwestern“ keimten rund um die so genannte Mutterblutbuche elf junge Blutbuchen. Ausgehend vom Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen 1690 fanden viele nachgezüchtete Blutbuchen als Modebaum schnell interessierte Abnehmer in ganz Europa, die systematische Zucht und Ausbreitung begann verstärkt erst im 19. Jahrhundert.
Fast nichts ist übrig geblieben vom einstmaligen Mandelsloh‘schen Gut. Das Gut in Altenhagen mit der Hagenburger Hausnummer 90 bewohnte im 16. Jahrhundert der Erbherr zu Hagenburg: Kurt von Hugo. Später baute Joachim Hermann Engelke in den Gebäuden des Freihofes die Poststation aus. Heute steht das evangelische Gemeindehaus dort, wo einst auch gekrönte Häupter Einkehr hielten.
Der Fähnrich Kurt von Hugo (1560 – 1623) , heiratete eine Tochter der Familie von Mandelsloh (ursprünglich Gut Duendorf bei Wunstorf), in deren Besitz sich das Gut befand. 1623 wird Kurts Sohn Stats Hugo Erbherr zu Hagenburg, Altenhagen und Hoya. Von Beruf ist er Amtsschreiber in Stolzenau. heiratet am 3. Juli 1628 die Rehburger Pastorentochter Anna Voigts (Praetorius) und bekommt mit ihr zwei Söhne: Der Berühmteste: Ludolf Hugo, Staatsrechtler, letzter Nicht-Adeliger Minister in Kurhannover, Vizekanzler. Conrad Hugo, Amtmann in Stolzenau. Das Gut in Hagenburg verpachtet Stats Hugo. Seine Neffen waren der hannoversche Hofrat und Leibmedikus der Könige, August Christoph von Hugo (1686 – 1760) und der Reichtstagsgesandte und Geheime Justizrat Ludolf Dietrich von Hugo. Sein Großneffe war der Geheime Kanzlei- und Legationsekretär August Christoph von Hugo (1720 – 1766).
Als Reisende auf der Ost-West-Verbindung (Berlin-)Hannover-Leese-Bohmte-Diepenau-Osnabrück machten unter anderem Friedrich I. von Preußen und der russische Zar Peter der Große Halt im Ort. 1860 war Schluss. Die Poststation wurde aufgelöst. Der letzte Engelke musste in die USA auswandern.
Die Kirchengemeinde kaufte einen großen Teil der Flächen auf, um auf der einen Seite der Straße ein Pfarrhaus und auf der anderen Seite die später so genannte St.-Nicolai-Kirche zu bauen.