07 | Düdinghäuser Stollen Königssee, Steinbruch

Hagenrunde Düdinghäuser Stollen Königssee, Steinbruch
Rund 15 Jahre lang wurde im Düdinghäuser Stollen Kohle gefördert.

Düdinghäuser Stollen

Auf der Suche nach neuen Kohlevorkommen in der Schaumburger Kreidemulde ließ die Preussag AG Obernkirchen kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges an der Südseite des Rehburger Sattels – am Düdinghäuser Berg – einen Stollen auffahren.

1945 begann im Düdinghäuser Stollen die Förderung und dauerte bis zur Stilllegung des Schaumburger Bergbaues 1960. Während der 500 Meter südlich gelegene Schacht Auhagen insgesamt nur drei Monate in Betrieb war, ist im Düdinghäuser Stollen rund 15 Jahre Steinkohle gefördert worden.

Bergmänner trieben den Stollen von 1944 an quer (querschlägig) durch die Lagerstätte in nördlicher Richtung voran.

Die abbauwürdige Kohlenschicht (Flöz) verläuft so schräg, (Einfallende), dass im Kohlenstreb nur Eisenbleche ausreichten, um die Kohlen mit hoher Geschwindigkeit Richtung Füllstrecke in den Grubenwagen rutschen zu lassen. Nach Osten und Westen trieben die Bergleute Stollensohlen und gewannen in zum Teil 100 Meter langen, mit Holz gestützten Abbauräumen (Streben) die Steinkohle. 

Hagenrunde Düdinghäuser Stollen Königssee, Steinbruch

Die ausgebeuteten Strecken verfüllten die Bergleute mit Material. Abgebaut wurde das für die Schaumburger Kreidemulde wichtige Flöz 3 mit einer Dicke (Mächtigkeit) von 0,50 bis 0,60 Metern. Die Schicht (Hangende) über dem Kohlenflöz bildete 0,60 Meter bis 0,80 Meter dicker (mächtiger) Tonschiefer und bis zu zwölf Meter dicker Sandstein. Die Schichten waren stark wasserführend. Es wurden Wasserzuflüsse von einem Kubikmeter pro Minute und mehr gemessen. Das Grubengebäude des „Düdinghäuser Stollens“ wurde nach dem Abteufen des Schachtes Auhagen (1953) mit diesem durch
eine Wetterstrecke verbunden. Noch 1957 förderte Düdinghausen mit einer Belegschaft von 253 Mann insgesamt 56.600 Tonnen Steinkohle. Männer aus den umliegenden Orten hatten im Stollen Arbeit gefunden. Nach der Einstellung der Steinkohlenförderung im Bereich des Gesamtbergamtes Obernkirchen-Barsinghausen am 31.12.1960 schloss die Preussag als Betreiber auch den Düdinghäuser Stollen. Das Stollenmundloch ist verfüllt. Die Anlage wurde keiner weiteren Nutzung zugeführt und ist verfallen. Sie befindet sich in Privatbesitz.

Bootfahren im Waldsee

Was hat der Königssee mit dem Düdinghäuser Stollen zu tun? Und wo befand sich überhaupt dieser See? Mindestens einer der Steinbrüche auf der Südseite des Düdinghäuser Berges hat im vergangenen Jahrhundert Wasser geführt. Für die Kinder der Umgebung war der „Königssee“ ein Sommerparadies, ein Abenteuerspielplatz, auch Ziel für Schulausflüge.

Der See im Wald war bei den Erwachsenen ein Anziehungspunkt auch für den Sonntagsausflug, ja sogar Postkartenmotiv. Mit einer schwarz-weißen Karte ließen sich aus der Stadt Sachsenhagen Grüße vom Königssee versenden. Auch der Wirt vom Gasthaus „Zur Erholung“ in Düdinghausen ließ bunte Postkarten drucken, auf denen der See zu sehen war. Erhalten geblieben ist eine unscharfe Reproduktion, die die Wasserfläche im Steinbruch zeigt, darauf ein Pärchen in einem Ruderboot. Der Name „Königssee“ ist handschriftlich auf einer alten Bergbaukarte nachgetragen, woher dieser Name kommt, ist nicht überliefert.

Das Wasser aus dem See ist plötzlich verschwunden. Irgendwann in den 1950er Jahren“ soll es bei Arbeiten im Stollen zu einem unterirdischen Wassereinbruch gekommen sein. So konnten sich noch vor einigen Jahren ältere Düdinghäuser erinnern, auch lokale Bergbauexperten bestätigten diese Version. Weiteres ist nicht bekannt. 

Über die Frühzeit der Steinbrüche selbst ist wenig bekannt. Es gibt einen Hinweis darauf, dass bereits im 12. Jahrhundert die Steine für die Bergkirchener Kirche dort gebrochen sein sollen.

Hagenrunde Düdinghäuser Stollen Königssee, Steinbruch

Nicht nur der Sandstein, sondern auch die Steinkohlen treten im Düdinghäuser Berg an einigen Stellen an die Erdoberfläche. So ist der Wald, besonders in Notzeiten, immer wieder Ziel gewesen, um sich mit Brenn- oder Baumaterial zu versorgen. Mitte des 19. Jahrhunderts wird ein Prozess gegen die Stadt Sachsenhagen wegen „unbefugten Steinebrechens am Düdinghäuser Berg“ angestrengt.

Hagenrunde Düdinghäuser Stollen Königssee, Steinbruch
Das Bild stammt aus den 1950er Jahren und könnte die Situation nach dem Wassereinbruch zum Motiv haben.

In den Pachtakten wird im Vergleich zum Schaumburg-Lippischen Sandstein die schlechtere Qualität der Steine aufgrund von Feuchtigkeit und auch von Wasser hervorgehoben – was den Bogen zum Königssee schlagen würde. Parallel zum Bergbau unterhalb des Berges im Jahr 1945 gibt es Bemühungen, die „Düdinghäuser Steinbrüche“ neu zu erschließen. Allerdings sind diesmal Steinbrüche im Atgeberg gemeint. 

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