06 | Ockerbecken / Schacht

Hagenrunde Ockerbecken/Schacht
Zwei Jahre vor dem Beginn der Förderung hegte die Preussag noch große Hoffnungen in Bezug auf die Schachtanlage Auhagen.

Schnelles Ende für den Schacht

Das nördliche Kohlevorkommen in Schaumburg sollte mit einem neuen Schacht in Lüdersfeld und einem Schacht in Auhagen erschlossen werden.

Die Verantwortlichen der Preussag beschlossen im Sommer 1953, den Hauptförderschacht Auhagen bis 365 Metern mit einem lichten Durchmesser von fünf Metern niederzubringen. Unerwartete Wasserdurchflüsse behinderten die Teufarbeiten. In einer Tiefe von 62,10 Metern kam der Stopp im Januar 1954. Erst am 1. September des folgenden Jahres begann nach dem Auspumpen das planmäßige Abteufen. Wasserzuflüsse von zeitweise bis zu 400 Litern pro Minute machten ein Zementieren des Mauerwerks und Vorzementieren des Gesteins nötig.

Dazu setzte die Firma Deilmann ein zweites, schräg angesetztes Bohrloch neben dem Schacht, das in den wasser-führenden Schichten den Schachtquer-schnitt durchschnitt.
Geplant war für den Schacht Auhagen eine tägliche Förderung von 500 Tonnen verwertbarer Steinkohle. Bei 300 Arbeitstagen hätte das einer Jahresförderung von rund 150 000 Tonnen entsprochen.

Die vorgesehene Mindestlebensdauer des Schachtes sollte 30 Jahre betragen, was ein Baufeld von rund 4,5 Millionen Tonnen Steinkohle bedeutet hätte. Das Abbaufeld etwa unterhalb von Wölpinghausen und Düdinghausen sollte rund 2,1 Millionen Tonnen Kohle bergen. Die nördlich des Wiedenbrügger- und des Atgeberges gelegenen Felder schätzten Fachleute auf eine verwertbare Menge von zwei Millionen Tonnen Steinkohle ein.

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Mit einem zweiten, schräg angesetzten Bohrloch versuchten die Mitarbeiter der Firma Deilmann die Wasserzuflüsse zu stoppen.

Die aschereiche Lüdersfelder und Auhäger Kohle konnte nur als Kesselkohle verwendet werden. Die Preussag AG hatte mit der VEBA als Betreiberin des Kraftwerks Lahde einen Vertrag geschlossen, jährlich 600 000 Tonnen Kohle über den Kanalhafen Sachsenhagen und im Winter per Bahn über Stadthagen nach Lahde und weitere 200 000 Tonnen ins Kraftwerk nach Veltheim zu transportieren.
Über Tage entstand ein Förderturm und ein Fördermaschinenhaus, die vom 1957 stillgelegten Schacht IV aus Barsinghausen nach Auhagen gebracht wurden. Dazu kam ein Kühlturm, eine Schmiede und das Kehrrad für die sieben Kilometer lange Drahtseilbahn, die die Kohlen nach Lindhorst zur Reinigung befördern sollte.

Bei der Aufnahme der Förderung war auch der Luftschacht zum rund 550 Meter entfernten Stollen Düdinghausen fertiggestellt. Doch trotz der Millioneninvestitionen dauerte die Förderung im Auhäger Schacht nur drei Monate. Mit dem Beschluss aus dem März 1960, im Zeichen des Erdölbooms den Schaumburger Bergbau stillzulegen, kam das schnelle Aus.

In der Folge scheiterten Versuche, das Gelände in größerem Stil gewerblich nachzunutzen. Heute befindet es sich in Privatbesitz.

Ockerschlamm als Bergbau-Altlast

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Früher wurde der Abflut-Graben direkt ausgebaggert und der Okerschlamm am Feldrand abgelegt.

Das stark eisenhaltige und deshalb orange-rot gefärbte Wasser aus dem stillgelegten Schacht Auhagen lief über Jahrzehnte in den Abflut-Graben und von dort aus in die Aue. Der Abfluth-Graben, oder auch einfach „Die Abfluth“ hatte in früheren Zeiten direkt an einer Doppelquelle in der Nähe des Düdinghäuser Berges eine seit 1750 beschriebene Heilwasserqualität. Nach dem Schachtbau sind die Quellen versiegt, ein Graben ist übrig geblieben. Mit der guten Wasserqualität ist es bachabwärts unterhalb des Schachtes Auhagen vorbei.

Der sichtbare rote Ocker stammt aus einem Stoff im Boden, der Pyrit genannt wird, eine Verbindung von Eisen und Schwefel. Pyrit liegt unverändert im Boden, sofern nicht durch einen Eingriff des Menschen Sauerstoff hinzukommt, heißt es in einer Fachbroschüre.

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Jahrelanges Drängen der Gemeinde Auhagen hat zum Bau der Ocker-Absetzbecken beigetragen.

Wird eine Wiese zum Beispiel drainiert, trennen sich unter Sauerstoffeinfluss Schwefel und Eisen. Der Schwefel oxidiert und wird als verdünnte Schwefelsäure flächig aus der Wiese in die Gewässer gespült. Das Eisen folgt und bleibt so lange im Wasser gelöst, so lange es sich um saures Wasser handelt. Wenn das saure Wasser neutralisiert oder verdünnt wird, verbindet sich das Eisen mit dem im Wasser gelösten Sauerstoff und bildet den roten Ocker, der für Menschen ungefährlich, aber für Kleinlebewesen und für Kiemenatmer tödlich ist. Die stärksten Ockerverunreinigungen der Gewässer treten im Winter auf, wenn das meiste Wasser austritt und im kalten Wasser das Eisen langsamer oxidiert.

Ein punktueller Austritt von Eisen und Ocker, wie es am ehemaligen Schacht Auhagen der Fall ist, passiert im Kohlenbergbau immer dann, wenn Pyrit belüftet wird.

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Das mit Ocker belastete Wasser läuft über Kaskaden und setzt sich in drei Teichen ab, bevor es in die Aue fließt.

Die Idee, die orangefarbenen Ausfällungen am Entstehungsort zu binden, hat 2010 zu einem Gewässerentwicklungsplan geführt: Drei unterschiedlich große Absetzbecken sind parallel zum Graben in einen 25 Meter breiten Streifen eingebettet. Dieser besteht aus einer Verwallung, Pflegestreifen, Weg, Randstreifen und Rigolen. Per Rohrleitung fließt das Wasser vom Schachtgelände in die Becken. Alle zwei bis drei Jahre werden die Becken ausgebaggert und Aushub zum Trocknen abgelagert. Die Gemeinde Auhagen hatte während der Flurbereinigung eine Ackerfläche in der Größe von rund 10 000 Quadratmetern für die Anlage aufgekauft. 90 Prozent finanzierte das Land Niedersachsen aus EU-Förderung, den Rest teilten sich die Gemeinde und der Unterhaltungsverband 53.

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