13 | ehem. Synagoge

Stadttouren Sachsenhagen ehem. Synagoge
Postkartenansicht aus dem Kaiserreich: Das evangelische Gemeindehaus (Vordergrund) und die jüdische Synagoge (Hintergrund).

Synagoge vor der Stadt

Zeugnisse jüdischen Lebens in Sachsenhagen sind seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts nachweisbar.

In den spärlichen Einwohnerverzeichnissen findet sich um 1606 ein Jude. 1750 lebten in Sachsenhagen drei Familien jüdischen Glaubens mit zehn Personen. Eine kleine jüdische Gemeinde hatte sich formiert. Ein Begräbnisplatz und eine Synagoge vor der Stadt, in Kuhlen, waren vorhanden.

Zur Synagogengemeinde gehörten auch Bergkirchener und zumindest zeitweise auch Lindhorster Juden: 1823 lebten in Sachsenhagen 16 Männer, elf Frauen und 20 Kinder jüdischen Glaubens. Die meisten Männer arbeiteten unter oft schwierigen Bedingungen als Metzger, Viehhändler und Händler.

Aus einem „gemieteten, höchst ungeeigneten Lokal zur Abhaltung der Gottesdienste“ heraus konnte die Gemeinde 1870 ihre eigene Synagoge beziehen, in der auch eine Schule untergebracht war. In einem amtlichen Bericht wird das Gemeindeleben als „vorbildlich“ bezeichnet. David Philippsohn hatte es während des Kaiserreiches zum Beisitzer im Stadtrat und Schriftführer im Kriegerverein gebracht und konnte 1930 ein stattliches Bürgerhaus bauen.

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Gerda Philippsohn (Mitte) musste 1938 die Schule verlassen. Sie wurde 1942 deportiert und ist in Riga verschollen.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 veränderte die Situation dramatisch: Dem Entzug der wirtschaftlichen Existenzgrundlage für die jüdischen Familien folgte der Angriff auf Leib und Leben. Während der Reichspogromnacht im November 1938 ist die Synagoge von auswärtigen SS-Männern und einer „Handvoll Sachsenhägern“ geschändet und entweiht worden. Eine Brandlegung verhinderte die Feuerwehr mit Hinweis auf benachbarte Fachwerkhäuser. Im Januar 1942 ließen die Machthaber 14 der 19 noch in der Stadt lebenden Juden in Ghettos und Vernichtungslager deportieren, Die fünf verbliebenen, älteren Juden folgten im Juli.

Zum Gedenken an die letzte jüdische Schülerin, Gerda Philippsohn, die 1938 zwangsweise die Schule verlassen musste, bekam die Grundschule im Juni 2000 ihren Namen.

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