Für die Nienbrügger Kleinbauern war klar, dass sie von ihrer Landwirtschaft allein nicht leben konnten. So hielten unter anderem Webstühle Einzug in die Höfe, Kleinhandwerk entwickelte sich.
Aus der Not und harter Arbeit entstanden Traditionen: Viele Nienbrügger Männer wurden so zwangsweise zu Hollandgängern. Sie schnürten Mitte April ihr Bündel und machten sich zu Fuß auf in die wirtschaftlich reicheren Niederlande zur Grasmahd, zum Torfstechen oder auch zum Heringsfang.
Besonders die gefahrvolle Arbeit auf See ernährte die Familien daheim. Unter zwei Kapitänen aus dem Ort sind zwischen 1900 und 1933 viele Nienbrügger zur See gefahren. Fünf junge Männer kamen im November 1903 im Sturm vor Borkum ums Leben, als ihr Heringslogger „Clara“ sank.
Nienbrügge bildete mit Niedernholz ab 1871 eine eigene Landgemeinde. 1908 ist im Ort der erste Verantwortliche für das Feuerlöschwesen benannt (die Freiwillige Feuerwehr gründet sich 1953).
1911 wurde die Schule fertiggestellt. Der Männergesangverein – Träger vieler dörflicher Aktivitäten – gründet sich 1921.
Nienbrügge wird 1974 ein Ortsteil der Stadt Sachsenhagen. Doch immer wieder verstanden es „die Gallier Niedersachsens“, wie sich die Nienbrügger gerne nennen, eigene Akzente zu setzen.
So stellte das Dorf um die Jahrtausendwende mehrere eigene Gewerbeschauen auf die Beine. Auch die Trachtenabteilung des Gesangvereins machte von sich reden: 2003 tanzten mehrere hundert Menschen auf der Schaumburger Landstraße mit der „Obernkirchener Tampete“ zum Weltrekord.