Sie sind – fast – spurlos verschwunden, die alte Kirche St. Nicolai und der Rundfriedhof auf dem Brink, der kleinen Anhöhe südlich der heutigen Bundesstraße. Auch das erste Pfarrhaus und die erste Schule sind längst abgerissen. Das Ensemble bildete einst das Zentrum des Hagenhufendorfes Altenhagen. Die dem Brink mit der Kirche gegenüberliegende Siedlungszeile (Hagenhufe), der wohl älteste Teil des Dorfes, findet sich 1247 erstmals urkundlich erwähnt.
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Das Hagenburger Schloss um die Jahrhundertwende – und zur Rhododendronblüte
Erbaut worden sein soll die St.-Nicolai-Kirche 1483/84. Es gibt aber Hinweise auf einen hölzernen Vorgängerbau aus der Anfangszeit der Hagenhufenbesiedlung, Aufgrund der leicht erhöhten Lage des Kirchenhügels ist es denkbar, dass auch die Fischersiedlung Steinhude mit zum Einzugsbereich der Altenhäger Kirche gehörte.
Die Nachbargemeinde Hagenburg verfügte nie über eine eigene Kirche. Zum Pfarrbezirk Altenhagen gehörten neben dem benachbarten Burgflecken bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts auch Mesmerode. Nicht nur, dass ein Kirchweg zwischen Altenhagen und Mesmerode verbürgt ist, in die St.-Nicolai-Kirche führte auch eine „Mesmeroder Thür“, im Turm hing eine Glocke, gestiftet aus Mesmerode.
Von Beginn an bestatteten die Einwohner des Kirchspiels ihre Verstorbenen an der Kirche. Dieser Rundfriedhof wurde 1556 von einer bis zu 1,50 Meter hohen Mauer eingefasst.
Die Kirche bestand aus gehauenen Bruchsteinen, das Schiff aus vier gewölbten Kreuzbögen. Das Gebäude wies einschließlich Turm eine Länge von 21, 46 Metern auf. Der Turm maß 21,60 Meter in der Höhe. (Zum Vergleich: Der Turm der heutigen St.-Nicolai-Kirche ist 43 Meter hoch, der Turm der Steinhuder Petri-Kirche 32 Meter). Die erste St.-Nicolai-Kirche bot mehr als 350 Menschen Platz.

Die alte Turmuhr soll seit 1652 in Betrieb sein, das Uhrwerk ist in die neue Kirche übernommen worden. Nachdem Graf Friedrich Christian 1678 für die neue Kirche ein Orgelpositiv stiftete, wurde 1724 eine Orgel vom berühmten Orgelbauer Christian Vater (unter anderem Marktkirche in Hannover, oder St. Martini in Stadthagen) eingebaut.
Beim Gottesdienst saßen Männer (216 Plätze) und Frauen (162 Plätze) getrennt. Die Frauen trugen zum Kirchgang besondere Hauben und Mützen mit Silber- und Goldstickereien und kostbare Bänder.
Die St.-Nicolai-Kirche wurde von der Mitte des 18. Jahrhunderts an als zu eng empfunden.
Ein Aus- oder Umbau stellte die Gemeinde wegen Geldmangel immer wieder zurück. Mit Hilfe eines ansehnlichen Kirchenvermögens und einer finanziellen Unterstützung des Hauses zu Schaumburg-Lippe gelang es im Januar 1867 die Güter des ehemaligen Engelkeschen Freihofes zu kaufen. Die Gemeinden Altenhagen und Hagenburg einigten sich am 9. März 1867 über einen Kirchenneubau – auch mit finanzieller Unterstützung des Hauses zu Schaumburg-Lippe.
Johann Hermann Engelke führte nicht nur das Haus- und Lagerbuch für sein Gut (siehe Tafel 10) Er hielt auch einige Details aus dem Ortsgeschehen fest, so wie den Neuguss der Glocke in der alten Kirche St. Nicolai.
„Am 2. Oktober 1773 wurde die geborstene große Glocke auf dem riesigen Kirchturm so von dem Stadthagen Glockengießer zu 18 Zentner aufgerissen worden, In Stücke geschlagen und in solchen zum um Gießen nach Stadthagen gebracht. An dieser geborstenen Glocke stand, dass sie MGVII zwei Striche gegossen sei. Die anderen beiden guten Glocken auf dem Turm sind beide mit der Jahreszahl MCCCCCLVV in Klammern 1561 gezeichnet und also jetzt vor 212 Jahren gegossen wurden. Nachdem die Stücke der zerschlagenen Glocke in Stadthagen zu 2021 Pfund gewogen, auch an neues Metall 212 £ dazu gekauft worden, ist sie da selbst gleich in den Schmelzofen gebracht und nachdem sie in 6 Stunden völlig geschmolzen, zugleich neu gegossen worden. Sie musste darauf, nachdem sie den Anschein nach gut geraten war, von Seiten der Gemeinde wieder geholt und mittels einer Hebezeug Gas in etwa 3 Stunden wieder auf dem Turm gebracht. Als sie völlig aufgehangen fand man ihren Klang all gut.“
Den Auftrag für den Kirchenneubau (Tafel 10) bekam der bekannte hannoversche Backsteingotiker Conrad Wilhelm Hase für 28 000 Taler.
Die alte Kirche St. Nicolai verkaufte der Kirchenvorstand am 19. Juni 1874 auf Abbruch für 235 Taler – die Mauern liegen als Schutt unter der Landstraße nach Steinhude.
In die neue Kirche, die erst 125 Jahre nach ihrer Erbauung den Namen St. Nicolai bekam, wurden die Glocken, die Turmuhr, ein Kronleuchter und die Altarleuchter in die neue Kirche übernommen. Auch die Oblatendose von 1693 wurde weiter genutzt.
Abb. 2 Die alte Auffahrt zur Kirche und zum Friedhof ist heute noch vorhanden.
Abb. 2 Die alte Auffahrt zur Kirche und zum Friedhof ist heute noch vorhanden.
Abb. 2 Die alte Auffahrt zur Kirche und zum Friedhof ist heute noch vorhanden.
Abb. 2 Die alte Auffahrt zur Kirche und zum Friedhof ist heute noch vorhanden.
Verschwunden ist auch der alte Begräbnisplatz. Auch nach dem Abriss der Kirche wurden die Gräber vieler Familien noch in Einzelfällen bis 1931 belegt, der größte Teil sei in einen Obstgarten umgewandelt worden, heißt es in der Kirchenchronik.
Nach einem Zeitungsbericht aus dem Jahre 1968 ist die Stützmauer rund um den Friedhof „teilweise“ eingestürzt, der Friedhof selbst sei in einem beklagenswerten Zustand: „Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, dass das Grabmal des Hauptmanns Sigismund Stüdemann von Ehrenstein nicht Gefahr läuft, sinnlos zerstört zu werden, wie es schon mit so vielen Grabplatten des Alten Friedhofes in Altenhagen geschehen ist. Wir erinnern nur daran, dass das Erbbegräbnis der Familie Barkhausen bereits seit Jahren als Müllgrube benutzt wird. “
In den 1970er Jahren ist der Friedhof endgültig aufgelöst und eingeebnet worden. Mit einem großen Teil der Friedhofserde ließ die Gemeinde das Gelände des neuen Sportgeländes an der Steinhuder-Meer-Straße auffüllen. Ein kleiner Teil der Böschung ist heute noch vorhanden.
Die Pfarre, der spätere „Lindenhof“ (heute Dionysos), ergänzten das Ensemble auf der anderen Seite des Weges (heute Bundesstraße 441).
Abb.3 & 4: Erst Pfarrhaus und dann Gasthaus. Der „Lindenhof“ wurde in den 1970er Jahren abgerissen, und durch das heutige Gastwischaftsgebäude ersetzt.
Bis 1693 gab es einige Grundstücke weiter westlich ein Pfarrhaus, das Gessert in seiner Festschrift als „baufällige Hütte“ bezeichnet wird, der Pastor Wollbrecht bewohnt sein eigenes Haus am Friedhof.
Das neue Pfarrhaus wird 1692 in Sachsenhagen als Bürgerhaus gekauft und nach Altenhagen umgesetzt, bei einem Brand wird es 1702 schwer beschädigt und droht 1821 einzustürzen. Das Fachwerkgebäude wird umgebaut und mit großen Bedenken 1851 noch einmal kostspielig repariert.
Längst gab es schon Forderungen, die Kirche und die Pfarre in den Mittelpunkt zwischen den beiden Orten Altenhagen und Hagenburg zu verlegen.
Am 30. Oktober 1873 verkaufte die Kirchengemeinde das alte Pfarrhaus mit sämtlichen Ländereien an Lübking Nr 37 für 5900 Taler. Die Ländereien der Pfarre umfassten nach den Vermessungen 38 Hektar, 95 ar 88 Quadratmeter. Ob die Familie das Pfarrhaus abgerissen und eine Gaststätte gebaut hat, oder das alte Haus zur Wirtschaft umgebaut hat, lässt sich nicht mehr klären.
Zur dörflichen Infrastruktur – die sich die Altenhäger mit den Hagenburgern teilten, gehörte neben Kirche, Friedhof und Pfarre das Schulgebäude im Ort, das im 16. Jahrhundert erbaut worden ist. Die erste Schule für Hagenburg/Altenhagen stand auf dem Freihof Engelke. Über die Schulsituation 1831 hat Friedrich Franke geschrieben: Ein Lehrer unterrichtete in einem Klassenraum an vier Tischen 212 Kinder, davon 140 morgens und 72 nachmittags. Der Klassenraum maß 40 Quadratmeter, der Lehrer hatte 47 Zentimeter Platz vor den Schülern. Über die (weitere) Schulgeschichte gibt die Tafel 09 Alte Schule Auskunft.
Das Schulgebäude wurde später als Bauernhaus mit der Hausnummer 43 um- oder ausgebaut. Lange von einer Familie Röver bewirtschaftet und bewohnt, auch nach dem Abriss des Hauses und Neubau war noch lange im Ort von „Rövers Schulhaus“ die Rede.
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